Für Nicola Karabatic scheinen die Auszeichnungen für die vergangenen Jahre kein Ende nehmen zu wollen, denn nur eine Woche nach seiner Wahl zum „wertvollsten Spieler der EM 2008“ wurde der Rückraumspieler des THW Kiel zum „Handballer des Jahres“ in Deutschland gewählt.
Karabatic ist erst der zweite ausländische Spieler nach dem Finnen Mikael Källmann der diese Auszeichnung erhielt. Angesichts der Tatsache, dass er sich in einem Jahr durchsetzte, in welchem die deutsche Handball-Nationalmannschaft den Weltmeister-Titel holte, zeugt von seinen überragenden Qualitäten. Der erst 23jährige Franzose war erst 2005 aus Montpellier nach Kiel gewechselt, nachdem er dort bereits im zarten Alter von 19 Jahren 2003 die Champions League gewonnen hatte. Auf Anhieb spielte er sich in das Team und dominierte fortan den Rückraum des deutschen Rekordmeisters. Der Höhepunkt seiner Karriere erfolgte 2007, als er mit dem THW Kiel den Titel-Hattrick aus Meisterschaft, DHB-Pokal und Champions League holen konnte. Bei der Wahl setzte er sich vor Torhüter Henning Fritz und Torsten Jansen durch.
Auch internationale Erfolge konnte Karabatic schon etliche feiern. Der größte Triumpf war der Sieg bei der Europameisterschaft 2006 in der Schweiz. Bei den zurückliegenden kontinentalen Wettkämpfen präsentierte sich Frankreich lange Zeit mit dynamischem Spiel als Titelfavorit, unterlag aber in einem dramatischen Halbfinale den Kroaten. Im Spiel um Platz 3 konnte man Deutschland dann aber deutlich besiegen. Trotzdem wählte man Karabatic zum „wertvollsten Spieler des Turnieres“ und er wurde zusammen mit Lars Christiansen und Ivano Balic Torschützenkönig.
Heute steht für den frischgebackenen „Handballer des Jahres“ eine neue Bewährungsprobe an, denn der THW Kiel trifft im Spitzenspiel der Handball-Bundesliga auf die Rhein-Neckar-Löwen.
Die Wahl zur „Handballerin des Jahres“ gewann bereits zum vierten Mal Grit Jurack, die die beim dänischen Klub Viborg HK aktiv ist. Zweite hinter Jurack wurde Welthandballerin Nadine Krause.
Die Parallelen zur Weltmeisterschaft sind auch bei der Europameisterschaft in Norwegen im Moment unübersehbar. Auch im Januar 2007 hatte Deutschland wenig souverän die ersten beiden Gruppenspiele bestritten, aber trotzdem gewonnen. Dann folgte die große Ernüchterung mit der Niederlage gegen Polen und eine ganze Nation fragte sich, ob der Gastgeber noch in das Titelrennen eingreifen kann.
Das dies damals gelungen ist, war unter anderem dem Comeback von Christian Schwarzer zu verdanken. Bundestrainer Heiner Brand holte den „Alt-Star“ zurück ins Team, der sogleich Verantwortung übernahm, die Mannschaft puschte und schließlich zum Weltmeistertitel führte. Doch wer soll diese Rolle im Moment in der deutschen Nationalmannschaft übernehmen. Die Nachnominierung von Rolf Herrmann ist eher der Schwäche der Rückraumspieler Pascal Hens und Holger Glandorf geschuldet, zumal der Lemgoer Herrmann auch nicht das Standing eines Christian Schwarzer im deutschen Team besitzt. Jedoch müsste einer die Rolle ausfüllen, um der Mannschaft noch einmal neue Impulse zu verleihen. Am ehesten besitzt Florian Kehrmann die notwendigen Eigenschaften, um das Team als Häuptling in die ausstehenden Hauptrundenpartien gegen Island, Frankreich und Schweden zu führen.
Möglicherweise kann sich die Mannschaft auch geschlossen motivieren und mit einer Energieleistung noch das Halbfinale möglich machen. Dort angekommen würden dem Nationalteam wieder alle Tore zum Titel offen stehen.