Den Füchsen Berlin gelang fast eine Sensation in der Handball-Bundesliga: Erst mit dem Schlusspfiff entschied der Kieler Viktor Szilagyi das Spiel mit seinem Treffer zum 27:26 (11:13). Erfolgreichster Werfer für die Berliner war Konrad Wilczynski mit 6/1 Toren, beim THW Kiel traf Vid Kavticnik mit 5/2 Toren am häufigsten.
Der THW legte mit einer guten Abwehrleistung los und ging mit 3:0 in Führung. Füchse-Coach Jörn-Uwe Lommel fand seine Mannschaft zu nervös gegen den übermächtigen Gegner, daher nahm er bereits nach 4:43 seine Auszeit. In der siebten Minute erlöste dann Bartlomiej Jaszka die Berliner Fans mit seinem Treffer zum 1:4. Auch wenn die Füchse auf 3:6 herankamen, blieben sie noch zu oft im Block der Kieler hängen. Doch Jaszka kämpfte im Angriff auch für seine Nebenleute und ermöglichte Markus Richwien das 5:7 nach 15 Minuten.
Statt mit einem Linkshänder im rechten Rückraum spielten die Berliner weite Strecken mit zwei Spielmachern. Denn nicht Bult stand auf der Position, sondern Strand, der zudem Torjägerqualitäten hat. In der 20. Minute gelang den Füchsen sogar der 9:9-Ausgleich durch Richwien. Im Tor machte Petr Stochl weiter, wo er am Mittwoch gegen Wilhelmshaven aufgehört hat. Kurz nach dem Ausgleich verbuchte der tschechische Nationaltorhüter bereits seine 10. Parade.
Die Schadensbegrenzung gelang den Füchsen nach der Anfangsnervosität gut. Nicht zuletzt aber auch dadurch, dass der THW sein Leistungspotenzial noch nicht abrufen konnte. Beim amtierenden Meister kam kein rechter Spielfluss auf. In der 28. Minute gelang Mark Bult so der erneute Ausgleich zum 11:11. Aber Nikola Karabatic und Stefan Lövgren stellten noch den 11:13 Halbzeitstand her.
Die zweite Hälfte begann gut für die Gastgeber. Konrad Wilczynski konnte den Abstand auf ein Tor zum 12:13 verkürzen und Stochl parierte einen Strafwurf gegen Lövgren. Kurioserweise war es dann Abwehrakteur Frank Schumann der die 15:14-Führung für die Füchse Berlin herstellen konnte. Fakharany erhöhte gar auf 2 Tore Vorsprung. Die Berliner schienen sich in einen Rausch zu spielen, denn auch Richwien war aus unmöglichem Winkel zum 17:14 erfolgreich. Die Fans im Fuchsbau wussten nicht recht, ob sie diesen Spielstand glauben sollten. Nach dem 18:14 von Mark Bult reagierte dann Noka Serdarusic mit seiner Auszeit. Aber auch im Anschluss gelang es den Kielern nicht, wieder heranzukommen. Im Gegenteil, Kjetil Strand erhöhte auf 22:16.
Die Kieler kämpften sich auf 24:21 heran. Auf der Gegenseite war im Angriff die Luft raus, obwohl die Sensation in der Luft lag. Beim THW ersetzte Mattias Andersson den Stammtorwart Thierry Omeyer und bot starken Rückhalt. In der 57. Minute stand es nur noch 25:24 für Berlin. Viktor Szilagyi konnte zum 25:25 ausgleichen. Der österreichische Nationalspieler setzte die wichtigen Akzente im Kieler Angriff.
Es blieb spannend bis zum Schluss, dem THW gelang der Ausgleich zum 26:26 erst in der letzten Minute. 20 Sekunden vorm Ende war Berlin dann mit diesem Ergebnis in Ballbesitz. Doch Richwien scheiterte am starken Andersson. Konrad Wilczynski erhielt dann 6 Sekunden vor Schluss die rote Karte wegen eines taktischen Fouls. Er hatte versucht, Kim Andersson am Gegenstoß zu hindern. Vergebens: Szilagyi beendet den Krimi dann für die Kieler und sichert die zwei Punkte mit seinem Tor zum 27:26 zeitgleich mit dem Schlusspfiff. Zwei sehr glückliche und ganz wichtige Punkte für den THW und ein tolles Handballfest für die Berliner Handballfans, die die Verlierer wie Sieger feierten.
In einem kampfbetonten Spiel konnten sich die Füchse Berlin gegen den direkten Tabellennachbarn aus Balingen mit 32:30 (16:15) durchsetzen. Mit nunmehr 20 Punkten ist der Klassenerhalt der Berliner zwar rechnerisch noch nicht ganz wasserdicht, aber doch sehr wahrscheinlich. Erfolgreichste Werfer waren bei den Füchsen Kjetil Strand und Konrad Wilczynski mit 7 und auf Seiten des HBW Balingen-Weilstetten der Ex-Berliner Daniel Brack mit 10 Toren.
Die 4744 Zuschauer sahen eine hart geführte Partie. Bereits nach 1:22 Minuten gab es die erste Hinausstellung für den Balinger Daniel Sauer. Doch auch auf Seiten der Berliner stieg Hany El Fakharany hart ein und bekam nach neun gespielten Minuten die zweite Zeitstrafe. Absetzen konnte sich keines der Teams, mit 16:15 ging es in die Halbzeit.
Auch in der zweiten Hälfte wählten beide Mannschaften eine recht robuste Gangart. Kaum einer der Spieler kam richtig ins Laufen. In der 47. Minute wurde es dann konfus. Nach Ballgewinn für Berlin durch Bartlomiej Jaszka kam der Pass auf Wilczynski nicht an, weil der Berliner Linksaußen von einem Balinger Spieler gehalten wurde. Die Schiedsrichter entschieden nach Absprache zuerst auf Freiwurf für Balingen und dann doch für die Füchse. Strand wuchtete im Anschluss den Ball zum 25:22 ins Tor, das war die Vorentscheidung. Am Ende zeigte Strand in der 60. Minute noch ein Schmankerl, als er einen Anwurf direkt verwandelte. Balingen hatte mit 7 Feldspielern gespielt, Torwart Christian Ramota schaffte es nicht schnell genug zurück in seinen Kasten.
Nach dem Spiel analysierte der Balinger Coach Rolf Brack: “Der Sieg ist wegen des Verlaufs in der zweiten Halbzeit verdient. Wir hatten schon vor vier Wochen zwanzig Punkte, das ist natürlich gefährlich. Wenn taktisch so wenig vom Gegner geboten wird wie heute, kann man nicht mehr machen.” Füchse-Trainer und -Laufcoach Jörn-Uwe Lommel entgegnete: “Ich habe in den 27 Jahren meiner Karriere noch nie eine Mannschaft erlebt, die so schmutzig Abwehr spielt. Das war eine Art von Handball die man sich so nicht anschauen muss. Die Partie blieb bis zum Ende ein Nervenkrieg, wir haben am Ende eine ,Schlacht gewonnen’. Der Klassenerhalt ist nun greifbar nah.”
Jörn-Uwe Lommel, Trainer der Füchse Berlin, war nach dem 33:31 (16:15) über den SC Magdeburg geradezu ergriffen: “Das war der Höhepunkt unserer gemeinsamen Arbeit. Ich bin mächtig stolz. Das war das beste Saisonspiel, und das vor ausverkauftem Haus.” 9413 Zuschauer sahen in der Max-Schmeling-Halle eine ungemein spannende Partie, die hin und her wogte. “Wir hatten ein Quäntchen mehr Glück und waren ein Quäntchen entschlossener”, konstatierte Lommel. Mit nun 17:31 Punkten dürfte der Klassenerhalt schon so gut wie sicher sein. “Mit unserem Publikum sind wir sehr zuversichtlich”, sagte Füchse-Manager Bob Hanning, “wenn wir weiter die Heimspiele gewinnen, können wir mit Spaß nach Hamburg und Flensburg fahren.”
Dabei fing es nicht gut an für die Füchse, nach fünf Minuten stand es 1:4. Doch langsam kämpften sich die Berliner ins Spiel, den Ausgleich zum 6:6 erzielte der gebürtige Magdeburger Markus Richwien, der nach seiner ersten Nominierung für die Nationalmannschaft noch effektiver spielt, dabei auch von der aufsteigenden Form von Mark Bult profitiert. Es ging eng zu in der ersten Hälfte, anfangs glänzte Damian Kabengele im Rückraum des Champions-League-Siegers von 2002, die Füchse trafen vor allem über die Außen Richwien und Konrad Wilczynski. Letzterer war es auch, der in Unterzahl per Siebenmeter die Füchse kurz vor der Pause erstmals in Führung brachte (16:15). Eine gute Partie zeigte der zweite Berliner Torwart Jens Wortmann, der früh für den anfangs etwas indisponierten Petr Stochl eingewechselt wurde.
In der zweiten Hälfte konnte sich kein Team entscheidend absetzen. Die wohl spielentscheidene Szene ereignete sich in der 56. Minute, als die Magdeburger beim Stand von 30:29 einen Siebenmeter bekamen, wie üblich im “Fuchsbau” zur Melodie von “Spiel mir das Lied vom Tod”. Davor hatte Christian Sprenger alle sechs Strafwürfe verwandelt, doch den siebten parierte Stochl in krakenarmartiger Manier. Es war dann wieder am überragenden Wilczynski, acht Sekunden vor Schluss das entscheidende 33:31 zu werfen. Der Österreicher verwandelte sechs Siebenmeter und warf sechs Feldtore. Beste Magdeburger Schützen waren Alexandros Vasilakis (9) und Sprenger (8/6).
“Beide Mannschaften sind inzwischen auf Augenhöhe”, sagte SCM-Sportdirektor Stefan Kretzschmar. “Das ist keine Heuchelei.” Mit den Zugängen Michal Kubisztal und Bartlomiej Jaszka aus Polen sowie Christian Caillat aus Frankreich haben sich die Füchse im Winter enorm verbessert, während Magdeburg die Wechsel der polnischen Nationalspieler Karol Bielecki und Grzegorz Tkaczyk zu den Rhein-Neckar Löwen verkraften musste. Kretzschmar zeigte sich beeindruckt: “Die Euphorie des Publikums war grandios. Berlin ist in der Handball-Bundesliga angekommen.”
Fünf gegen zwei ist eigentlich eine beliebte Übung beim Fußballtraining, doch beim Bundesligaspiel Füchse Berlin gegen MT Melsungen kämpften in der 39. Minute fünf Berliner Feldspieler gegen zwei der Gäste aus Hessen. Einige Spieler hatten ihre Nerven nicht im Griff und mussten für zwei Minuten vom Feld, schließlich kassierte auch noch der reklamierende Melsunger Trainer Robert Hedin eine Zeitstrafe, die einer seiner Spieler absitzen musste. In dieser Phase zogen die Berliner auf 27:19 davon. “Die Berliner haben verdient gewonnen”, bilanzierte Hedin. “Wir haben das Spiel schon in der ersten Hälfte verloren. Tore haben wir geworfen, wie wir wollten, die Partie ging in der Abwehr verloren.”
Eine treffende Analyse, denn auch die Berliner trafen, wie sie wollten. “Wir sind eine Angriffsmannschaft geworden”, sagte Trainer Jörn-Uwe Lommel, ein Satz, der zu Saisonbeginn geradezu utopisch schien. “Alle Rückraumspieler sind individuell stark und wurfgewaltig.” Überragend spielte Kjetil Strand, der das Berliner Spiel schnell machte, raffinierte Vorlagen gab und sieben Tore warf. Auch Konrad Wilczynski traf siebenmal und führt nun die Torjägerliste der Bundesliga mit 136 Treffern an. Die Siebenmeter (7/6) des Österreichers sind spektakulär: Wahlweise zirkelt, legt, eiert, dreht oder donnert er die Bälle ins Tor.
Die Berliner begannen furios und lagen schnell mit 9:3 in Führung. Nach einer Auszeit spielten die Gäste, angetrieben vom manchmal übereifrigen serbischen Regisseur Vladica Stojanovic, konzentrierter, vor allem Daniel Valo (6) und Savas Karipidis (10/6) hielten ihr Team in Schlagdistanz. Zur Halbzeit führten die Füchse 20:16, und das mit einer beeindruckenden Bilanz: Gleich neun Spieler trafen ins Melsunger Tor. In der zweiten Hälfte zogen die Berliner mit acht Toren Vorsprung davon, Melsungen kämpfte sich noch auf vier Treffer heran, aber da auch der Aufsteiger weiter nach Belieben traf, mussten die Hessen die Fuchsjagd abblasen.
Mit dem 3. Heimsieg in Folge vor 6243 Zuschauern kletterten die Berliner auf den 13. Platz. Lommel warnte dennoch: “Der Abstiegskampf hat gerade angefangen. Aber solange wir die Heimspiele gewinnen, müssen wir uns keine Gedanken machen.” Füchse-Manager Bob Hanning konnte gestern noch die Verlängerung mit dem Berliner Eigengewächs Sascha Detlof um ein weiteres Jahr bekannt gegeben. “Ihr könnt holen, wen ihr wollt”, zitierte ihn Hanning, “spätestens nach drei Spieltagen spiele ich sowieso wieder in der Abwehr.”