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Peking 2008: Daniel Stephan kritisiert DHB-Auswahl

Autor: Sonja Beckmann
abgelegt in: Olympische Spiele

Pascal Hens war nicht zu ersetzen / Foto: Wikipedia

Wenig Lob und viel Tadel gab es von Daniel Stephan für das Auftreten der DHB-Auswahl in Peking. “Gold, Gold, Gold – anders habe ich vor den Spielen nichts gehört. Vielleicht hätte man das Ziel nicht so hoch stecken sollen.” Das Team von Bundestrainer Heiner Brand scheiterte bereits in der Vorrunde.

Johannes Bitter, der bei den Torhütern mit 41 Prozent gehaltener Bälle den Spitzenplatz noch vor Thierry Omeyer aus Frankreich belegte, war für Stephan bester Spieler des deutschen Teams. Bitter meisterte 70 von 170 Bällen, die auf sein Tor zuflogen, darunter 3 Siebenmeter. Sein Partner Henning Fritz hielt 10 von 40 Bällen. Damit stellte das deutsche Torhüterduo mit 38 Prozent den besten Wert aller 12 Nationen in Peking.

Dagegen moniert der Welthandballer des Jahres 1998 die Trefferquote der deutschen Außenspieler: “In all den Jahren zuvor war das, was Toto Jansen und Florian Kehrmann von den Außenpositionen geschossen haben, weitaus besser als diesmal.” Jansen Trefferquote blieb unter 50 Prozent. “Flo hat sich im Verlauf des Turniers gesteigert, 63 Prozent bei 20 Toren aus 32 Versuchen sind aber auch nicht die Welt”, sagte der Sportliche Leiter des TBV Lemgo. Mit einer Wurfausbeute von 44 Prozent von den Außenpositionen verbuchte das deutsche Team den schlechtesten Wert aller Teams.

Auch bei den Statistiken um die Tempogegenstöße belegt Deutschland mit 18 Toren aus 30 Möglichkeiten (60 Prozent) den letzten Rang. Das größte Manko des deutschen Spiels sah Daniel Stephan, der das Olympische Turnier vom ersten bis zum letzten Tag aufmerksam verfolgte, in der fehlenden Torgefährlichkeit auf der Mittelposition des deutschen Angriffs. “Entscheidend war der Ausfall von Pascal Hens. Danach waren Michael Kraus und Holger Glandorf auf sich allein gestellt. Mit Hens hätten wir das Viertelfinale ganz sicher erreicht. Ohne ihn war die Leistung dafür nicht ausreichend”, sagte Stephan.

63 der 126 Tore, also exakt die Hälfte, wurden von Michael Kraus (38) und Holger Glandorf (25) erzielt. Kraus belegt da mit nur fünf Spielen in der abschließenden Torschützenliste immer noch Rang 5. Im Schnitt erzielte er 7,6 Tore pro Spiel, womit er der treffsicherste Schütze des Turniers war.

“Leider haben zu wenige Spieler im DHB-Dress ihr optimales Leistungsvermögen abrufen können”, sagte Stephan, der im Endspiel bei den letzten Olympischen Spielen in Athen noch selbst nur knapp am Goldgewinn vorbeigeschrammt war. “Irgendwie hatte ich den Eindruck, als sei jeder Spieler mehr mit sich selbst beschäftigt. Von einer echten mannschaftlichen Geschlossenheit konnte da nicht gesprochen werden.” Bundestrainer Heiner Brand habe alle taktischen Kniffe versucht, aber diesmal sei die Mannschaft nicht stark genug gewesen, um höhere Ziele ansteuern zu können.

“Aber vielleicht ist ein Schuss vor den Bug mal gar nicht so schlecht, um mit neuer Motivation und Frische an die nächsten Aufgaben herangehen zu können” lautete das Fazit von Stephan. “Wer Deutschland jetzt abschreibt, macht einen Riesenfehler.”


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