Eine typische Szene: Pascal Hens steigt hoch hinaus über die gegnerische Abwehrreihe, sucht die Lücke und wirft den Ball mit Urgewalt und enormer Muskelkraft ins Tor. Hens ist ein begnadeter Werfer, dank seiner Tore gewann Deutschland 2007 die Weltmeisterschaft. Bei den Olympischen Spielen verletzte sich der 28-Jährige und wird dem HSV Hamburg noch bis zum Jahresende fehlen.
“Pommes”, sein Spitzname, ist ein Relikt aus Jugendzeiten, Hens wurde er wegen seiner langen, dünnen Arme so genannt. Damals war sein Sprung in die Weltspitze keineswegs absehbar. Lange Jahre kam er über die Kreisauswahl nicht hinaus. Erst als Manfred Freisler, Weltmeister von 1978, den langen Schlacks bei Eintracht Wiesbaden sah, ging es steil bergauf - von der Bezirksauswahl direkt in die Junioren-Nationalmannschaft.
Hens wechselte 2000 zum Bundesligisten SG Wallau-Massenheim, sein Trainer dort wie heute beim HSV: Martin Schwalb. Gleich in seiner ersten Saison spielte der 2,03 Meter große Rückraumspieler so überzeugend, dass er in die Nationalmannschaft berufen wurde.
Der damalige HSV-Coach Bob Hanning vom HSV Hamburg holte Pascal Hens 2003 nach Hamburg. Auch Magdeburg, Kiel und Lemgo buhlten um den Torjäger, doch der fand das Projekt HSV spannender: “Mich hat gereizt, dass der Verein, der vorher VfL Bad Schwartau hieß, erst das zweite Jahr in Hamburg spielt und ich quasi fast von Anfang an dabei sein kann. Hier wird eine super Mannschaft aufgebaut.”
Die Erfolge ließen nicht lange auf sich warten: 2004 erreichten die Hamburger das Pokalfinale, 2006 gewannen sie den Pott und 2007 den Europapokal der Pokalsieger. 2008 schieden die Hamburger erst im Halbfinale der Champions League aus. In der aktuellen Bundesliga-Saison wurde der mächtig aufgerüstete HSV als größter Konkurrent des THW Kiel gehandelt, doch nicht zuletzt die Wurfkraft des verletzten Hens fehlte dem Club, der mit bereits sieben Minuspunkten kaum noch Chancen auf die Meisterschaft hat. Im neuen Jahr wird “Pommes” wieder für den HSV spielen, in Peking hatte er sich eine Fraktur des Schienbeinplateaus zugezogen.
Zum Handball kam Hens, weil “quasi alle Klassenkameraden nach der Einschulung Handball gespielt haben. Na, da bin ich halt mitgegangen, sonst wäre ich heute eventuell Basketballer.” Sein größter Traum freilich dürfte unerfüllt bleiben: Der Handball-Weltmeister würde gern einmal mit Dirk Nowitzki in der NBA spielen.