Der HSV Hamburg sucht noch seine Form: Als Meisterschaftsfavorit gestartet, laviert der Club mit 7:7 Punkten im Mittelfeld der Bundesliga-Tabelle. Einer behält die Ruhe: Trainer Martin Schwalb: “Wir haben keinen Lauf, aber ich bin felsenfest überzeugt, dass wir ihn bekommen werden und gestärkt aus dieser Situation hervorgehen.”
Das Team ist eine Handball-Weltauswahl, und das hat auch einen gravierenden Nachteil: Neun HSV-Spieler waren bei Peking dabei, darunter die beiden Goldmedaillengewinner Bertrand und Guillaume Gille sowie Pascal Hens, der nun fünf Monate verletzt ausfällt. “Wegen Olympia werden wir in der Anfangsphase der Saison noch Probleme in Sachen Taktik und Spielaufbau haben”, prophezeite Schwalb vor Saisonbeginn.
Schwalb trainiert den HSV Hamburg seit Oktober 2005. Der allmächtige Präsident Andreas Rudolph bezeichnete Schwalb bei seiner Verpflichtung als “letzte Patrone”, der Medizintechnik-Unternehmer steckt viel Geld in den Verein und will Pokale in die Vitrine stellen. Mit Schwalb gewann der HSV 2006 den DHB-Pokal und 2007 den Europapokal der Pokalsieger.
Schwalb gilt als offen und zugänglich, ein moderner Mensch mit Verständnis für die Probleme der Profis. Kein Wunder, der gebürtige Stuttgarter war selbst ein erfolgreicher Spieler. Für Frisch Auf Göppingen, den TV Großwallstadt, TUSEM Essen und die SG Wallau-Massenheim warf der Rückraumspieler 2272 Tore und rangiert auf Rang vier in der ewigen Torschützenliste. Zweimal spielte Schwalb bei Olympia: 1984 in Los Angeles, dort gewann er Silber, und 1996 in Atlanta.
Seine Trainerlaufbahn begann 1998 in Wallau-Massenheim, mit den jungen Wilden eroberte Schwalb 2001 Rang vier in der Bundesliga und wurde zum “Trainer des Jahres” gewählt. Nach der Pleite des Clubs 2005 gab er ein Intermezzo in Wetzlar, dann wechselte Schwalb nach Hamburg.
Der 45-Jährige steht nun unter mächtigem Erfolgsdruck, zumal er mit den Rückraumspielern Blazenko Lackovic, Martin Lijewski und Arne Niemeyer sowie Kreisläufer Nicklas Grundsten seine Wunschspieler erhalten hat. Bisher hat es Schwalb exzellent verstanden, den HSV kontinuierlich zu verbessern. Der letzte Schritt freilich ist der schwerste – mit sieben Minuspunkten scheint die Meisterschaft in weite Ferne gerückt. Doch der HSV spielt auch um internationale Meriten: Am Samstag treten die Hamburger in der Champions League beim dänischen Club FCK Håndbold an.