Patrick Groetzki ist eines der größten deutschen Handballtalente. Der 19-Jährige, der in der Bundesliga für die Rhein-Neckar Löwen spielt, wurde von Bundestrainer Heiner Brand in den Kader für die EM-Qualifikationsspiele gegen Bulgarien, Slowenien, Weißrussland und Isreal berufen. Kein Wunder, wenn man Groetzkis Wurzeln betrachtet, denn der Rechtsaußen wurde in eine handballverrückte Familie hineingeboren.
Beide Eltern waren Trainer, was den kleinen Sohn inspirierte: “Überall und jederzeit schleppte ich einen Ball mit mir herum, und es war schnell klar, Fußballprofi würde ich wohl nicht werden!” verrät Groetzki auf seiner Website. Mit drei Jahren begann er bei den Minis der SG Pforzheim-Eutingen, wo ihn seine Mutter trainierte.
Groetzki durchlief alle Jugendmannschaften der SG und spielte dann in der A-Jugend der SG Kronau/Östringen. 2007 wechselte der gebürtige Pforzheimer zu den Rhein-Neckar Löwen, unterschrieb dort einen Dreijahresvertrag. 2008 errang er mit der Junioren-Nationalmannschaft Silber bei der EM in Rumänien und wurde zum wertvollsten Spieler gewählt. Im Mai 2009 erhielt er erstmals eine Einladung zu einem Lehrgang der Nationalmannschaft.
Neben Linksaußen Uwe Gensheimer ist der Abiturient, der im September seinen Zivildienst am Olympiastützpunkt Heidelberg beginnt, zur zweiten Hausmarke der Löwen geworden. beide ergänzen sich gut: “Uwe hat den Dreher. Ich hab den Wackler”, erläutert Groetzki seine raffinierte Wurftechnik.
Wie auch Weltmeister Dominik Klein wird Groetzki von der Agentur Global MMK betreut. Sein Ziel ist es, sich in der Bundesliga zu etablieren. “Ich bin nicht der Paradiesvogel, der die Klappe aufreißt”, sagt der Youngster über sich. Dennoch formuliert er selbstbewusst sein Ziel: “Ich hab die Mitte im Kopf und will nicht nur der Außen sein.” Und bis dahin freuen sich seine Fans über seinen Wackler von der rechten Seite.
Weltmeister und Welthandballer Nikola Karabatic wechselt nach Berichten der französichen “Midi Libre” gemeinsam mit Vid Kavticnik vom THW Kiel zu Montpellier HB. Offiziell hat der THW noch kein grünes Licht gegeben, hinter den Kulissen soll aber bereits Einigung erzielt worden sein. Der Franzose und der Slowene kosten im Paket 1,5 Millionen Euro, beide sollen einen Vierjahres-Vertrag erhalten.
Die Lücken sollen Momir Ilic vom VfL Gummersbach und Christian Sprenger vom SC Magdeburg füllen. Damit steht der deutsche Rekordmeister vor einem gewaltigen Umbruch. Trainer Alfred Gislason, Trainer des THW Kiel, sagte: “Es wird eine deutlich andere Mannschaft sein.”
Heute kämpft der THW beim spanischen Klub Ciudad Real um die Trophäe in der Champions League. Ein ganz Großer seines Sports verlässt dort die internationale Bühne: Stefan Lövgren. Seit zehn Jahren spielt der 38-Jährige für die Zebras, ist zum Kopf und Herz des Teams geworden. “Vielleicht war ich nicht das große Talent. Bei mir liegt es mehr an Wille und Trainingsfleiß”, nannte er im “Handball Magazin” das Geheimnis seines Erfolges.
“Die Knochen tun weh. Dann höre ich lieber jetzt auf, da ich das selbst entscheiden kann”, begründete Lövgren sein Ende auf dem Parkett. Er war Spielmacher und Kapitän des THW Kiel, setzte die taktischen Anweisungen des Trainers um, bestimmte das Tempo, war der wichtigste Spieler im Klub: “Als Kapitän und Mittelmann geht es in Gesprächen mit den Trainern auch um das Leben drumherum.”
Lövgrens Titelsammlung ist beeindruckend: Sieben deutsche Meisterschaften hat Lövgren gewonnen, viermal den DHB-Pokal, bisher einmal die Champions League, zweimal den EHF-Pokal, dazu fünf schwedische Meisterschaften mit Redbergslid Göteborg, zudem vier EM-Titel, zwei olympische Silber-Medaillen und einmal die Weltmeisterschaft mit dem schwedischen Nationalteam.
Nach dem 39:34 im Hinspiel gegen Ciudad Real stehen die Chancen recht gut, dass Lövgren heute sein zweiter Champions-League-Triumph gelingt. Im Sommer kehrt er zurück nach Schweden. Trainer zu werden kann sich Lövgren im Moment nicht vorstellen. “Ich war elf Jahre Profi in Deutschland, vorher in Schweden. Jeden Abend Training, jedes Wochenende ein Spiel – ich möchte wissen, wie das ist, mit der Familie ein normales Leben zu führen, und ob mir dann etwas fehlt.” Dem Handball bleibt er indes verbunden, Lövgren wird Handballlehrer an einer Schule.
Schaulaufen der Handballstars: Am Sonntag, 7. Juni 2009 wird die Nationalmannschaft gegen eine Weltauswahl antreten, die für die Klubs der Bundesliga an den Start spielen. In der Weltauswahl treten Spieler aus 13 Bundesligavereinen an, darunter Stars wie die französischen Superstar und Welthandballer Nikola Karabatic und sein Vereinskollege Thierry Omeyer, beide vom deutschen Meister THW Kiel.
Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga sagte: “Es ist großartig, dass wir zum Abschluss einer langen, Kräfte zehrenden Saison ein so starkes Team in Berlin präsentieren können. Das unterstreicht, dass Spieler und Klubs dem All Star Game in der Hauptstadt eine besondere Bedeutung beimessen. Für die Berliner Fans hat es sicher einen besonderen Reiz, Konrad Wilczynski und Bartlomiej Jaszka im All Star Team spielen zu sehen.”
Der Kader der All Stars:
Tor: Thierry Omeyer (THW Kiel), Mario Kelentric (MT Melsungen), Henning Fritz (Rhein-Neckar Löwen)
Linksaußen: Konrad Wilczynski (Füchse Berlin), Lars Christiansen (SG Flensburg-Handewitt) Dragos Oprea (Frisch Auf Göppingen)
Rückraum links: Momir Ilic (Vfl Gummersbach), Nikola Karabatic (THW Kiel), Arne Niemeyer (HSV Hamburg)
Rückraum Mitte: Bartlomiej Jaszka (Füchse Berlin), Ljubomir Vranjes (SG Flensburg-Handewitt), Daniel Brack (HBW Balingen-Weilstetten)
Rückraum Rechts: Oscar Carlen (SG Flensburg-Handewitt), Volker Michel (HSG Wetzlar)
Rechtsaußen: Mark Schmetz (TBV Lemgo), Savas Karipidis (MT Melsungen), Hans Lindberg (HSV Hamburg)
Kreis: Stephan Just (TSV GWD Minden), Steffen Stiebler (SC Magdeburg)
Trainer: Dr. Rolf Brack (HBW Balingen-Weilstetten), Kai Wandschneider (TSV Dormagen)
Tickets:
Bei Ticket Online über die Hotline (01805) 44 70 und www.ticketonline.com.
Dem THW Kiel gelingt das Double: Der deutsche Handball-Meister hat auch den DHB-Pokal gewonnen. Die Zebras setzten sich heute in Hamburg mit 30:24 (15:12) gegen den VfL Gummersbach durch und sind mit sechs Pokal-Erfolgen nun Rekord-Titelträger.
Sensation beim Final Four: Im ersten Halbfinale bezwang der VfL Gummersbach den heimischen HSV mit 35:27. Umso erstaunlicher, denn zur Halbzeit lagen die Hamburger noch 17:13 in Führung. Im Finale (14:00, live im NDR) trifft der VfL heute auf den THW Kiel, der die Rhein-Neckar Löwen mit 36:35 ausschaltete.
Nationalkeeper Johannes Bitter im Tor des HSV zeigte von Beginn an seine Klasse. Gleich den ersten Siebenmeter von VfL-Torjäger Momir Ilic hielt er, genau wie den zweiten kurz darauf von Geoffrey Krantz. Dem sonst so wurfgewaltigen Rückraum-Shooter des VfL glückte erst nach 13 Minuten ein Treffer – dieser aber spektakulär per Kempa-Trick. Zur Pause hieß es dann 17:13 für den HSV – weil der Kader in der Breite besser besetzt war. Die 17 Treffer verteilten sich sich auf acht Werfer.
Doch dann kam der VfL Gummersbach, den nun den ungarischen Torhüter Nandor Fazekas einwechselte. Mit drei glanzvollen Paraden kam er gleich gut in die Partie, vorne trafen die Angreifer, plötzlich stand es 22:21 für den VfL. Der Heimvorteil kehrte sich zum Nachteil für den HSV, denn die Fans des THW Kiel und der Rhein-Neckar Löwen paktierten mit dem Außenseiter. Die Hamburger zeigten ungeahnte Schwächen, der VfL schaffte die Sensation.
Ein gutes Zebra springt knapp: Endspielgegner der Gummersbacher wird der THW Kiel sein, der sich gegen die Rhein-Neckar Löwen 36:35 (21:18) durchsetzte. In einer spannenden Partie wurde es in der Schlussphase dramatisch: Erst traf Löwen-Kreisläufer Christian Schwarzer neun Sekunden vor dem Ende zum 35:35. Dann bewahrte Rückraumspieler Filip Jicha die Kieler mit seinem siebten Treffer mit der Schlusssirene vor der drohenden Verlängerung. “Das ist halt Sport”, sagte Schwarzer nach der Partie frustriert.
Déjà-vu für die Rhein-Neckar Löwen: Wie schon 2008 treffen sie im Halbfinale des Final Four (9. und 10. Mai) auf den THW Kiel. Die Löwen unterlagen damals, waren aber in den beiden vorherigen Jahren – noch unter dem Namen SG Kronau/Östringen – bis ins Finale gekommen. In diesem Jahr geht um mehr als um den Pokaleinzug, denn das Verhältnis zwischen den Kielern und den Mannheimern ist wegen der Manipulationsaffäre empfindlich gestört.
Die Zebras sind spätestens seit dem vernichtenden 37:23-Sieg im Halbfinal-Hinspiel der Champions League klarer Favorit im Duell gegen die Löwen. Dass diese beiden Mannschaften innerhalb weniger Wochen in drei Wettbewerben vier Mal aufeinandertreffen, mutet bizarr an. Schließlich hatten ausgerechnet die Löwen-Gesellschafter Dieter Matheis und Jesper Nielsen den Bestechungsskandal im Handball, in den der THW tief verwickelt sein soll, in die Öffentlichkeit getragen und die Aufklärung vorangetrieben.
Für viele THW-Fans haben die Rhein-Neckar Löwen deshalb von der SG Flensburg-Handewitt die Rolle des Lieblingsfeindes übernommen. Beim Halbfinal-Hinspiel der Champions League in der Kieler Arena sagten die THW-Fans dem dänischen Löwen-Gesellschafter Nielsen, der auch Geschäftsführer eines Modeschmuck-Labels ist, mittels eines Plakats drastisch ihre Meinung: “Du bist genauso falsch wie deine Perlen!”
Trainer Wolfgang Schwenke, der das Team um Youngster Uwe Gensheimer bis zum Saisonende trainieren wird, hat Erfahrung mit Pokalsiegen. Vor seiner ersten Trainerstation beim TSV Altenholz war Schwenke mit kurzer Unterbrechung 14 Jahre für den THW Kiel aktiv. Der Rückraumspieler gewann mit den Zebras von 1998 bis 2000 dreimal in Folge den Pokal beim Final Four in Hamburg. Deshalb kann Schwenke seiner Mannschaft bestimmt bestens vermitteln, wie sich ein erfolgreiches Final-Four-Wochenende anfühlt.
Der Weg der Rhein-Neckar Löwen zum Final Four 2009:
1. Runde: Freilos
2. Runde: Rhein-Neckar Löwen – HBW Balingen-Weilstetten 33:24 (16:9)
3. Runde: Rhein-Neckar Löwen – MT Melsungen 32:30 (17:16)
Achtelfinale: SG Flensburg-Handewitt – Rhein-Neckar Löwen 26:27 (16:13)
Viertelfinale: Rhein-Neckar Löwen – HSG Düsseldorf 40:32 (20:13)
Was Hertha BSC im DFB-Pokal nicht gelingen mag, schaffte mal wieder der HSV Hamburg: Die Handballer aus der Hansestadt qualifizierten sich für das Final Four (9. und 10. Mai) um den DHB-Pokal und genießen Heimvorteil. Im Halbfinale trifft das Team von Trainer Martin Schwalb auf den VfL Gummersbach. “Auf uns kommt eine ganz schwere Aufgabe zu. Das ist auch schon daran zu erkennen, dass der VfL eine hervorragende Rückrunde spielt. Gummersbach ist der Hecht im Karpfenteich”, bekundet Schwalb Respekt.

Die Hamburger gewannen 2006 den DHB-Pokal, 2008 und 2004 erreichten sie das Finale. Das Team hat in der bisherigen Saison in der Bundesliga überzeugt. In der Champions League schied der HSV erst am vergangenen Wochenende im Halbfinale gegen den spanischen Spitzenverein Ciudad Real aus. Letzte Titeloption ist der DHB-Pokal.
Der mächtige Präsident Andreas Rudolph hat jüngst den Gewinn des DHB-Pokals ausdrücklich als Ziel ausgegeben. Sollte der HSV in dieser Saison keinen Titel gewinnen, dürfte auch Martin Schwalbs Job in Gefahr geraten. “Ich verspüre durch die Aussage keinen Druck”, sagte indes der Coach. “Andreas darf so etwas auch sagen. Er ist schließlich am größtmöglichen Erfolg genauso interessiert wie ich.”
Die erste Hürde auf dem Weg zum Pokaltriumph in der Color Line Arena ist dabei der Altmeister VfL Gummersbach. Der fünfmalige Pokalsieger nimmt zum ersten Mal am Final Four teil. Der große Star des VfL ist der serbische Nationalspieler Momir Ilic, der mit 214 Treffern den dritten Platz in der Bundesliga-Torschützenliste einnimmt. So wird es im Halbfinale zum Aufeinandertreffen der wurfgewaltigen Rückraumschützen kommen – Ilic gegen den HSV-Star Pascal Hens.
Der Weg des HSV zum Final Four 2009:
1. Runde: Freilos
2. Runde: SC Magdeburg II – HSV Hamburg 28:40 (15:20)
3. Runde: TV Großwallstadt – HSV Hamburg 27:36 (14:22)
Achtelfinale: HSV Hamburg – ASV Hamm 41:25 (20:11)
Viertelfinale: GWD Minden – HSV Hamburg 18:24 (10:14)
Nikola Karabatic, der Weltstar des THW Kiel, flirtet offenbar mit Montpellier HB. Der französische Spitzenklub wirbt um Karabatic und hat ein Ass im Ärmel, denn Luka Karabatic, der Bruder von Nikola, spielt dort. In einem Interview mit der “Welt” bekräftigte der Franzose, den THW Kiel verlassen zu wollen.
Der letzte Pokalerfolg liegt 24 Jahre zurück: Dem VfL Gummersbach gelang 1985 sogar das Double. Der Traditionsverein aus dem Bergischen Land gewann fünfmal den DHB-Pokal. Nach dem Viertelfinalsieg gegen die HSG Nordhorn-Lingen zeigten die Spieler ihre Freude über die erstmalige Qualifikation für das Final Four mit ihren T-Shirts. “Hamburg, wir kommen” prangte stolz auf der Brust.
Vor der Ära des THW Kiel war der VfL Gummersbach die überragende Mannschaft in der Bundesliga mit insgesamt zwölf Meisterschaften. Fünfmal gewann das Team den Europapokal der Landesmeister. Der VfL bildete damals auch das Gerüst der Nationalmannschaft, die 1978 Weltmeister wurde. Hansi Schmidt, der heutige Bundestrainer Heiner Brand, Andreas Thiel, Joachim Deckarm und Erhard Wunderlich spielten für den Traditionsverein, der damals der beste Handball-Klub der Welt war.
Gummersbachs Trainer Sead Hasanefendic hat schon einige Pokalerfolge feiern können. Als Vereinscoach kommt der 60-Jährige auf 17 Meisterschaften und Pokalsiege in fünf verschiedenen Ländern. Nach drei Auswärtsspielen im Pokal gab es für den VfL erst im Viertelfinale eine Begegnung vor eigenen Fans. Die HSG Nordhorn wurde dabei in der Eugen-Haas-Halle denkbar knapp geschlagen. In Hamburg müssen die Gummersbacher im Halbfinale am Samstag (9. Mai) gegen den heimischen HSV antreten.
Der Weg des VfL Gummersbach zum Final Four 2009:
1. Runde: Freilos
2. Runde: SG Köndringen/Teningen – VfL Gummersbach 25:42 (11:21)
3. Runde: TuS 97 Bielefeld/Jöllenbeck – VfL Gummersbach 21:34 (15:10)
Achtelfinale: TuS N-Lübbecke – VfL Gummersbach 18:27 (10:11)
Viertelfinale: VfL Gummersbach – HSG Nordhorn 25:24 (13:11)