Jörn-Uwe Lommel, Trainer der Füchse Berlin, war nach dem 33:31 (16:15) über den SC Magdeburg geradezu ergriffen: “Das war der Höhepunkt unserer gemeinsamen Arbeit. Ich bin mächtig stolz. Das war das beste Saisonspiel, und das vor ausverkauftem Haus.” 9413 Zuschauer sahen in der Max-Schmeling-Halle eine ungemein spannende Partie, die hin und her wogte. “Wir hatten ein Quäntchen mehr Glück und waren ein Quäntchen entschlossener”, konstatierte Lommel. Mit nun 17:31 Punkten dürfte der Klassenerhalt schon so gut wie sicher sein. “Mit unserem Publikum sind wir sehr zuversichtlich”, sagte Füchse-Manager Bob Hanning, “wenn wir weiter die Heimspiele gewinnen, können wir mit Spaß nach Hamburg und Flensburg fahren.”
Dabei fing es nicht gut an für die Füchse, nach fünf Minuten stand es 1:4. Doch langsam kämpften sich die Berliner ins Spiel, den Ausgleich zum 6:6 erzielte der gebürtige Magdeburger Markus Richwien, der nach seiner ersten Nominierung für die Nationalmannschaft noch effektiver spielt, dabei auch von der aufsteigenden Form von Mark Bult profitiert. Es ging eng zu in der ersten Hälfte, anfangs glänzte Damian Kabengele im Rückraum des Champions-League-Siegers von 2002, die Füchse trafen vor allem über die Außen Richwien und Konrad Wilczynski. Letzterer war es auch, der in Unterzahl per Siebenmeter die Füchse kurz vor der Pause erstmals in Führung brachte (16:15). Eine gute Partie zeigte der zweite Berliner Torwart Jens Wortmann, der früh für den anfangs etwas indisponierten Petr Stochl eingewechselt wurde.
In der zweiten Hälfte konnte sich kein Team entscheidend absetzen. Die wohl spielentscheidene Szene ereignete sich in der 56. Minute, als die Magdeburger beim Stand von 30:29 einen Siebenmeter bekamen, wie üblich im “Fuchsbau” zur Melodie von “Spiel mir das Lied vom Tod”. Davor hatte Christian Sprenger alle sechs Strafwürfe verwandelt, doch den siebten parierte Stochl in krakenarmartiger Manier. Es war dann wieder am überragenden Wilczynski, acht Sekunden vor Schluss das entscheidende 33:31 zu werfen. Der Österreicher verwandelte sechs Siebenmeter und warf sechs Feldtore. Beste Magdeburger Schützen waren Alexandros Vasilakis (9) und Sprenger (8/6).
“Beide Mannschaften sind inzwischen auf Augenhöhe”, sagte SCM-Sportdirektor Stefan Kretzschmar. “Das ist keine Heuchelei.” Mit den Zugängen Michal Kubisztal und Bartlomiej Jaszka aus Polen sowie Christian Caillat aus Frankreich haben sich die Füchse im Winter enorm verbessert, während Magdeburg die Wechsel der polnischen Nationalspieler Karol Bielecki und Grzegorz Tkaczyk zu den Rhein-Neckar Löwen verkraften musste. Kretzschmar zeigte sich beeindruckt: “Die Euphorie des Publikums war grandios. Berlin ist in der Handball-Bundesliga angekommen.”
Der HSV Hamburg verlor bei den Rhein-Neckar Löwen sein erstes Auswärtsspiel der laufenden Saison. In der mit 13.200 Zuschauern ausverkauften SAP-Arena unterlagen die Hamburger mit 33:40 (17:21). Weder Johannes Bitter noch Per Sandström konnten im Hamburger Tor die Schotten dicht machen. Torsten Jansen, bester Hamburger Werfer (9/4), konnte sich nicht darin erinnern, jemals 40 Treffer mit dem HSV klassiert zu haben. Trainer Martin Schwalb sagte nach dem Spiel: “Wir haben in der Abwehr keine Stabilität gefunden, und das ist auch der Grund, warum wir verloren haben. Sehr zufrieden bin ich allerdings mit unserem heutigen Angriffsspiel. Wir spielen eine sehr stabile Saison und sind trotz dieser Niederlage eine Spitzenmannschaft. Weiter geht’s!“
Bereits am Dienstag und Mittwoch gewannen Nordhorn (30:24 in Melsungen), Flensburg (38:22 gegen Essen) und Gummersbach (34:23 gegen Lübbecke) ihre Partien, der THW Kiel zog am Donnerstag mit einem Erfolg in Minden nach.
Der Samstag stand ganz im Zeichen des Abstiegskampfes. Ganz wichtig war der Erfolg für den zuletzt gen Abstiegszone trudelnden TV Großwallstadt gegen die Füchse aus Berlin (27:26). Vor den Augen von Bundestrainer Heiner Brand konnte sich wenigstens der Berliner Markus Richwien für seine Nationalmannschafts-Einladung mit einer guten Leistung bedanken.
Der HBW Balingen/Weilstetten entführte souverän die Punkte beim 28:23-Erfolg beim Tabellenvorletzten Wilhelmshavener HV. Das Team von Trainer Rolf Brack kommt auf eine Bilanz von 8:6-Punkten aus den vergangenen sieben Spielen und darf sich damit berechtigte Hoffnungen auf ein weiteres Jahr Bundesliga machen. Schwer hingegen werden die Zeiten für Klaus-Dieter Petersen und seinen WHV. Die Heimniederlage war bereits die sechste Pleite in Folge. Allein der TUSEM aus Essen hat mit neun Punkten noch einen Zähler weniger auf dem Konto.
Ein wichtiger Schritt in Richtung Klassenerhalt gelang der HSG Wetzlar, die vor heimischer Kulisse den Gegner aus Göppingen knapp, aber verdient mit 26:25 (13:12) bezwang. Dabei führten die Mittelhessen drei Minuten vor dem Ende bereits mit 26:22, machten es aber vor 3.500 Besuchern noch einmal spannend.
Die Partie SC Magdeburg gegen den TBV Lemgo wurde auf den 28. März (Anwurf 20:15 Uhr) verlegt.
Fünf gegen zwei ist eigentlich eine beliebte Übung beim Fußballtraining, doch beim Bundesligaspiel Füchse Berlin gegen MT Melsungen kämpften in der 39. Minute fünf Berliner Feldspieler gegen zwei der Gäste aus Hessen. Einige Spieler hatten ihre Nerven nicht im Griff und mussten für zwei Minuten vom Feld, schließlich kassierte auch noch der reklamierende Melsunger Trainer Robert Hedin eine Zeitstrafe, die einer seiner Spieler absitzen musste. In dieser Phase zogen die Berliner auf 27:19 davon. “Die Berliner haben verdient gewonnen”, bilanzierte Hedin. “Wir haben das Spiel schon in der ersten Hälfte verloren. Tore haben wir geworfen, wie wir wollten, die Partie ging in der Abwehr verloren.”
Eine treffende Analyse, denn auch die Berliner trafen, wie sie wollten. “Wir sind eine Angriffsmannschaft geworden”, sagte Trainer Jörn-Uwe Lommel, ein Satz, der zu Saisonbeginn geradezu utopisch schien. “Alle Rückraumspieler sind individuell stark und wurfgewaltig.” Überragend spielte Kjetil Strand, der das Berliner Spiel schnell machte, raffinierte Vorlagen gab und sieben Tore warf. Auch Konrad Wilczynski traf siebenmal und führt nun die Torjägerliste der Bundesliga mit 136 Treffern an. Die Siebenmeter (7/6) des Österreichers sind spektakulär: Wahlweise zirkelt, legt, eiert, dreht oder donnert er die Bälle ins Tor.
Die Berliner begannen furios und lagen schnell mit 9:3 in Führung. Nach einer Auszeit spielten die Gäste, angetrieben vom manchmal übereifrigen serbischen Regisseur Vladica Stojanovic, konzentrierter, vor allem Daniel Valo (6) und Savas Karipidis (10/6) hielten ihr Team in Schlagdistanz. Zur Halbzeit führten die Füchse 20:16, und das mit einer beeindruckenden Bilanz: Gleich neun Spieler trafen ins Melsunger Tor. In der zweiten Hälfte zogen die Berliner mit acht Toren Vorsprung davon, Melsungen kämpfte sich noch auf vier Treffer heran, aber da auch der Aufsteiger weiter nach Belieben traf, mussten die Hessen die Fuchsjagd abblasen.
Mit dem 3. Heimsieg in Folge vor 6243 Zuschauern kletterten die Berliner auf den 13. Platz. Lommel warnte dennoch: “Der Abstiegskampf hat gerade angefangen. Aber solange wir die Heimspiele gewinnen, müssen wir uns keine Gedanken machen.” Füchse-Manager Bob Hanning konnte gestern noch die Verlängerung mit dem Berliner Eigengewächs Sascha Detlof um ein weiteres Jahr bekannt gegeben. “Ihr könnt holen, wen ihr wollt”, zitierte ihn Hanning, “spätestens nach drei Spieltagen spiele ich sowieso wieder in der Abwehr.”
Zur Halbzeit sah es heute nach einem lockeren Sieg des THW Kiel aus, der Tabellenführer lag mit 21:13 vorn. In der zweiten Hälfte baute der THW die Führung sogar auf 10 Tore aus, doch dann wurde es richtig eng. Mannheim warf acht Tore hintereinander, bis auf zwei Treffer kamen sie in der 51. Minute heran, eh sich die Kieler wieder berappelten und davonzogen.
Christian Schwarzer, Routinier der Löwen, sagte nach dem Spiel: “Wenn man gesehen hat, welches Potenzial wir haben, wäre mehr drin gewesen.” Beste Werfer waren beim THW der Handballer des Jahres, Nikola Karabatic (9), und Kim Andersson (7), je fünfmal trafen die Löwen Schwarzer, Karol Bielecki und David Szlezak.
Für Nicola Karabatic scheinen die Auszeichnungen für die vergangenen Jahre kein Ende nehmen zu wollen, denn nur eine Woche nach seiner Wahl zum „wertvollsten Spieler der EM 2008“ wurde der Rückraumspieler des THW Kiel zum „Handballer des Jahres“ in Deutschland gewählt.
Karabatic ist erst der zweite ausländische Spieler nach dem Finnen Mikael Källmann der diese Auszeichnung erhielt. Angesichts der Tatsache, dass er sich in einem Jahr durchsetzte, in welchem die deutsche Handball-Nationalmannschaft den Weltmeister-Titel holte, zeugt von seinen überragenden Qualitäten. Der erst 23jährige Franzose war erst 2005 aus Montpellier nach Kiel gewechselt, nachdem er dort bereits im zarten Alter von 19 Jahren 2003 die Champions League gewonnen hatte. Auf Anhieb spielte er sich in das Team und dominierte fortan den Rückraum des deutschen Rekordmeisters. Der Höhepunkt seiner Karriere erfolgte 2007, als er mit dem THW Kiel den Titel-Hattrick aus Meisterschaft, DHB-Pokal und Champions League holen konnte. Bei der Wahl setzte er sich vor Torhüter Henning Fritz und Torsten Jansen durch.
Auch internationale Erfolge konnte Karabatic schon etliche feiern. Der größte Triumpf war der Sieg bei der Europameisterschaft 2006 in der Schweiz. Bei den zurückliegenden kontinentalen Wettkämpfen präsentierte sich Frankreich lange Zeit mit dynamischem Spiel als Titelfavorit, unterlag aber in einem dramatischen Halbfinale den Kroaten. Im Spiel um Platz 3 konnte man Deutschland dann aber deutlich besiegen. Trotzdem wählte man Karabatic zum „wertvollsten Spieler des Turnieres“ und er wurde zusammen mit Lars Christiansen und Ivano Balic Torschützenkönig.
Heute steht für den frischgebackenen „Handballer des Jahres“ eine neue Bewährungsprobe an, denn der THW Kiel trifft im Spitzenspiel der Handball-Bundesliga auf die Rhein-Neckar-Löwen.
Die Wahl zur „Handballerin des Jahres“ gewann bereits zum vierten Mal Grit Jurack, die die beim dänischen Klub Viborg HK aktiv ist. Zweite hinter Jurack wurde Welthandballerin Nadine Krause.
Der THW Kiel ist wieder Tabellenführer in der Handball-Bundesliga. Nach sechswöchiger EM-Pause gewann der Titelverteidiger 33:30 beim SC Magdeburg. Der THW profitierte auch davon, dass das Spiel des bisherigen Spitzenreiters SG Flensburg-Handewitt gegen den VfL Gummersbach verlegt wurde. Der HSV Hamburg siegte mit 31:26 beim TV Großwallstadt und liegt punktgleich mit dem THW, aber in der Tordifferenz schlechter, auf Platz zwei. Gut erholt von den Feierlichkeiten und in Torlaune präsentierte sich der dänische Europameister Hans Lindberg, der 6 Tore für die Hamburger warf.
Das Debüt von Markus Baur als Bundesligatrainer ging überraschend daneben. Mit 37:41 unterlag der TBV Lemgo den gastgebenden Melsungern. Baur hatte aber Pech und musste auf die beiden verletzten deutschen Nationalspieler Florian Kehrmann (Oberschenkelprobleme) und Sebastian Preiß (Sehnenzerrung) verzichten.
In einem dramatischen Spiel unterlag die SG Nordhorn bei Frisch Auf Göppingen. Erst drei Sekunden vor dem Schlusspfiff traf Michael Schweikardt per Unterhandwurf zum Göppinger Siegtreffer (32:31). Die Grafschafter bleiben Vierter vor Gummersbach und den Rhein-Neckar Löwen, die den Tabellenletzten TUSEM Essen vor knapp 11.000 Besuchern mit 32:27 besiegten.
Am Tabellenende errang der auf mehreren Positionen verstärkte GWD Minden zwei Punkte beim 30:26-Heimsieg gegen HBW Balingen-Weilstetten und verließ die Abstiegsränge. Die Füchse Berlin spielten in Wetzlar 32:32 und hamsterten einen wichtigen Zähler.
Das Spiel des Wilhelmshavener HV gegen den TuS N-Lübbecke wurde auf den 20. Februar verlegt (Anwurf 20:15 Uhr). Das Match des Tabellenführers SG Flensburg-Handewitt daheim gegen den VfL Gummersbach findet erst am 28. März statt (Anwurf 19:30 Uhr).
Während die Handball-Fans gespannt ihren Blick auf die anstehende Europameisterschaft in Norwegen richten, sind die Manager der Bundesliga Klubs nicht untätig und suchen nach adäquaten Verstärkungen für die anstehende Rückrunde.
Einer der spektakulärsten Transfers der vergangenen Tage dürfte der Wechsel von Frank von Behren von der Flensburg-Handewitt nach Minden sein. Der einstige Kapitän der deutschen Nationalmannschaft hatte in der jüngsten Vergangenheit viel Verletzungspech und konnte auch aufgrund dessen in der Bundesliga nicht wie gewohnt überzeugen. Da er sich häufig auf der Tribüne in Flensburg wiederfand, aber den Traum von den Olympischen Spielen in Peking noch nicht begraben wollte, forcierte von Behren den Wechsel nach Minden. Bei den Ostwestfalen erhielt der 31jährige einen Vertrag bis zum Jahr 2010 und soll anschließend in das Management des Klubs wechseln. Von Behren hatte mit der Nationalmannschaft die Silbermedaille in Athen und bei der EM 2002 errungen.
Der HSV Hamburg nährt weiterhin seine Titelambitionen und holte gleich zwei Spieler in der Länderspielpause. Oleg Velyky, deutscher Nationalspieler und bei der EM im Einsatz, kommt von den Rhein-Neckar-Löwen an die Elbe. Zudem hat Heiko Grimm vom TV Grosswallstadt einen neuen Vertrag bei den Hanseaten unterschrieben. Der HSV Hamburg liegt gleichauf mit dem THW Kiel an der Spitze der Handball-Bundesliga.
Der MT Melsungen hingegen versucht hingegen auf Routine zu setzen und holt den bereits 35jährigen Pawel Orzlowski. Der polnische Nationalspieler, der auch bei der EM für sein Land antreten wird, soll die schwächste Defensive der Bundesliga verstärken.
Rund um die kontinentalen Titelkämpfe in Norwegen wird es sicherlich weitere interessante Transfers zu vermelden geben.